Die Sache mit dem Tweed

[Unbeauftragte Werbung durch Produktnennung] Manche Kleider sind einfach zu gut dafür, ungetragen herumzuhängen, wie zum Beispiel diese alte Tweedjacke.

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Sie gehörte dem Großvater meines Freundes, ist einmal in sorgfältiger Handarbeit aus englischem Tweed hergestellt worden und hat ihn auf vielen Reisen begleitet. Leider war sie sämtlichen seiner Nachkommen zwei Kleidergrößen zu weit und auch ansonsten etwas aus der Mode gekommen, sodass sie jahrelang ungetragen in verschiedenen Schränken herumhing. Nach der Übung mit dem Pelzmantel habe ich schließlich die  Erlaubnis bekommen, sie aufzutrennen.

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Das Auseinandernehmen von Kleidern finde ich fast genauso interessant, wie Neues zusammenzunähen. Man sieht das ganze „Innenleben“ vor sich, die von Hand gesetzten Stiche, die Stellen, an denen vielleicht gestückelt oder sich beholfen wurde…

Wollstoff eignet sich sehr gut zur Wiederverwertung, weil die alten Nähte nach dem Auftrennen fast unsichtbar werden. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, bei der „Aufbereitung“ gründlich zu sein: alte Nahtfäden entfernen, den Stoff schonend waschen und bügeln, bevor die neuen Teile ausgeschnitten werden. Unter vorsichtigem Einsatz von Dampf kann man fast alle alten Umschlagkanten oder Knitter wieder glätten.

Beim Muster war ich wenig einfallsreich: aus der alten Tweedjacke sollte, allein schon aus Respekt, wieder eine neue Tweedjacke werden. Dafür habe ich den gewohnt poetisch benannten Schnitt 2015 #6745B von Burda verwendet.

Zum Teil konnte ich auch die alten Belege recyceln. Die Knöpfe sowieso! Insgesamt beliefen sich die Materialkosten auf vielleicht 10 Euro, für Garn und Vlieseline.

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Das neu zusammengesetzte „Innenleben“ der Jacke.

Zum Füttern kam das goldene Futter aus dem alten Lama-Mantel zum Einsatz.

Und so sah das Endergebnis aus:

Tweedjacke

Hier noch ein paar Tragefotos:

So kommt der schöne Tweed jetzt fast täglich zum Trage-Einsatz.

Darf ich außerdem noch vorstellen? Unsere Hühner! Sie wohnen seit zwei Wochen in unserem Garten, geliehen von einer Firma hier in Hannover, die Hühner vermietet. Erst fand ich die Idee komplett schräg, aber die Damen sind uns allen sehr ans Herz gewachsen und sind wirklich ein schönes Trostpflaster für die corona-bedingt abgesagten Urlaubsreisen 😉

Hanno Huhn

Viele Grüße und einen schönen Vatertag!

Eure Eva

Verlinkt bei Nähfroschs Du für Dich am Donnerstag #104 🙂

7 Kommentare

  1. Wow, da sind sicher viele Stunden in das Projekt geflossen, die sich mal so was von ausgezahlt haben. Die neue Jacke sieht aus wie die kleiner Schwester der anderen und steht ihr in nichts nach! LG Ina

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    1. Vielen Dank für den lieben Kommentar, Ina! Ja, ich war einige Abende lang beschäftigt, aber insgesamt ging es – das Vorbereiten und Zuschneiden hat deutlich mehr Zeit gekostet als das eigentliche Nähen 🙂 Ist ja oft so. Liebe Grüße! Eva

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  2. Total schön! Da hat sich das jahrelange Rumhängen in Kleiderschränken doch gelohnt 🙂 Die Hühner-Vermietung ist wohl ein aufkommender Trend – hier ist neulich mal ein Beitrag in der Landesschau über Miet-Hühner in Freiburg gekommen. Viel Spaß mit den Mädels!

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    1. Danke, liebe Lea! 😀 Ja, das mit der Hühner-Vermietung ist eine richtig gute Sache. Man kann mal ohne Risiko ausprobieren, ob das überhaupt etwas für einen ist. Der einzige Haken ist, dass man die Hühner wieder hergeben muss, auch wenn alles passt… wir würden unsere Damen am liebsten behalten 😛

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