10 Strick-Anfängerfehler, die Du nicht wiederholen solltest

KnittingsquirrelVor kurzem hatte ich Besuch von einer Freundin, die gern stricken lernen wollte. Ich habe ihr rechte und linke Maschen gezeigt, und dabei, ganz an den Anfang zurückgeworfen, wurde mir plötzlich klar, wie viele Erfahrungen ich in meinen paar Jahren mit den Nadeln gemacht habe… und wie viele Fettnäpfchen mir dabei im Weg standen (und wahrscheinlich immer noch auf mich warten)!

Hier ist die ‚Bottom 10‘ Liste der Dinge, die ich seit meinem ersten Strickversuch anno 2014 falsch gemacht habe. Vielleicht hilft es den Anfängern unter euch, die gleichen Pannen zu umgehen!

 

1. Falsche Wolle fürs falsche Projekt

Manche Garne sind einfach zu verführerisch. Für mich war einer meiner ersten Reinfälle ein wunderbar flauschiges, dickes Alpakagarn, für das ich Extra Nadelgröße 8 kaufen musste (Oma: „Was ist das denn für ein Seil!“). Es war schon anfängergeeignet, weil man damit mit wenigen Maschen ziemlich viel Volumen erreichen konnte. Leider war es für den Schal und die Mütze, die ich daraus produzierte, nicht die ideale Wahl.

 

Der Loop wäre in Ordnung, wenn ich ihn etwas schmaler gemacht hätte, aber so bekommt man keine Jacke darüber zu (ja, ich weiß, in den schicken Zeitschriften hat niemand je seine Jacke über einem Schal zu, aber ich bin leider Wind-und-Wetter-Fahrradfahrer.) Die Mütze ähnelt einer überdimensionierten gerüschten Badehaube. Die Wolle war einfach zu dick!

Ähnlich frustrierend erging es mir mit einem eigentlich sehr schönen melierten Glanz-Garn, aus dem ich ausgerechnet ein Stirnband machen wollte. Leider war das Garn synthetisch und daher nicht besonders wärmend, filzte bei Körperkontakt stark und besaß keine Elastizität…

Bei der Wollwahl achte ich mittlerweile immer auf die Faserart, Dicke und Struktur des Garns. Und da Probieren bekanntlich über Studieren geht und ich mir immer noch nicht ganz vorstellen kann, wie so ein Knäuel fertig verstrickt aussieht, teste ich vor jedem Projekt erst einmal mit einer Maschenprobe, ob ich damit den gewünschten Look erzielen kann. Wenn nicht, bleibt auch das schönste Garn erst einmal liegen.

 

2. Maschenprobe überspringen

Abkürzungen zahlen sich als Anfänger meistens nicht aus, aber natürlich musste ich auch in dieses Fettnäpfchen treten und die langweilige Maschenprobe auslassen. Die Maschenprobe ist wichtig, um ein Muster auf die persönliche „Maschenfestigkeit“ abstimmen zu können (wenn die Probe zu groß gerät und man weniger Maschen pro 10 cm zählt als angegeben, sollte man eine Nadelstärke kleiner stricken, und umgekehrt, falls man fester strickt und mehr Maschen pro 10 cm braucht). Außerdem bekommt man dabei schon mal ein Gefühl für das Garn und tappt nicht in die unter Punkt 1 und 4 beschriebenen Fettnäpfchen!

 

3. Zu wenig Wolle einplanen

IMG_7835Als Anfänger war mir erst einmal nicht klar, wie viel Wolle in so einem Strickstück steckt. Ein einziges Knäuel kam mir ziemlich reichlich vor. Leider verbraucht man für die meisten Modelle viel mehr. Ich mache manchmal immer noch den Fehler, etwas geizig zu sein („Ich nehme nur 8 Knäuel, das reicht für den Pullover bestimmt…“), um hinterher, wenn ich schon viel Arbeit in das Strickstück gesteckt habe, festzustellen, dass ich doch ein oder zwei Knäuel mehr brauche, die dann im Laden ausverkauft sind…

 

4. Alles zu eng hier

IMG_7777Das hier ist meine erste Strickjacke, und damit ist sie, trotz aller Fehler, über Kritik erhaben! 😉 Ich mag sie immer noch gern. Was nicht davon ablenken kann, dass sie fürchterlich eng ist. Sie ist aus Rico Design Chunky Melange, und im Internet habe ich damals ohne größeres Nachdenken eine halbwegs passende Jackenanleitung herausgesucht (Junghans Modell 274/4, um genau zu sein). Dabei hatte ich nicht auf dem Schirm, dass „Nicka“, das für das Modell angegebene Garn, ein sehr flauschiges „Fancy“-Garn ist, mit Chunky Melange nicht vergleichbar… Und die Maschenprobe war mir ja ohnehin zu langweilig.

Das Ergebnis war, dass die Jacke nicht entfernt in den angegebenen Maßen herauskam. Sie sitzt eng und klafft an der Knopfleiste auf.  Mittlerweile achte ich ziemlich penibel darauf, dass alles in den angegebenen Maßen oder im Zweifelsfall größer als geplant rauskommt, weil ich finde, dass Wollsachen ruhig locker und gemütlich sitzen können.

 

5. Maschen-Auffassen-Katastrophen

Beim Maschen-Auffassen für die Knopfleiste an meiner Strickjacke war ich zu großzügig und habe aus jeder Reihe eine Masche aufgefasst… was mit zu der klaffenden Knopfleiste beigetragen hat, weil die Leiste dann nach dem Stricken von ein paar Reihen breiter war als die Jackenkante. Mittlerweile weiß ich, dass man weniger auffassen muss, pro fünf Reihen drei Maschen oder sogar noch sparsamer. Ein eher feines Detail für Anfänger, aber deutlich sichtbare Krägen oder Knopfleisten müssen einfach sitzen.

 

6. Freestyle…

Als letzten Punkt zu der armen Strickjacke: Ein so großes Projekt (es war das größte, was ich bis dahin gestrickt hatte) hätte ich etwas vorsichtiger angehen sollen. Mindestens mit einer auf das Garn zugeschnittenen Anleitung, der man 1:1 folgen kann. Dazu gibt es ja im Internet oder im Wolladen genug Garnpakete oder passende Anleitungshefte zur Auswahl. (Dieser „Service“ war mir anfangs allerdings gar nicht klar… für das Garn Chunky Melange gibt es z.B. Hefte mit sehr schönen Modellen, nur dass ich gar nicht danach gesucht habe).

Falls ich wirklich sofort meine eigene Kreation hätte umsetzen wollen, wäre es wohl besser gewesen, sich dafür Unterstützung von einem erfahrenen Stricker zu suchen, der einem über die Schulter schaut, Tipps gibt und kleine oder auch größere Fehltritte verhindern kann.

 

7. Banderolen wegwerfen

IMG_7841Den Wert einer Banderole habe ich am Anfang völlig unterschätzt. Sie wanderten einfach in den Mülleimer. Dabei steht dort wertvolle Information von Lauflänge und Maschenprobe (nützlich, wenn man ein Modell noch einmal in einem anderen Garn strickt und die Werte abgleichen will) bis zu den Waschanweisungen. Es ist daher auch eine gute Idee, gestrickten Geschenken die Banderole mit beizulegen. Mittlerweile habe ich ein kleines Heft, in das ich die Banderolen einklebe. Das ist dann auch gleich ein kleines Album für meine Strick-Errungenschaften.

 

8. An den falschen Stellen sparen

IMG_7891Am Anfang dachte ich, mit dem Selbst-Stricken von Kleidungsstücken ließe sich Geld sparen, und als Student kam mir das ganz gelegen und hat zu meinem Übungs-Eifer beigetragen. Ich hatte zwar schon Erfahrungen mit dem Nähen, bei dem die Rechnung nicht aufging und ich fast jedes Mal, wenn ich für ein Projekt Stoff kaufen musste, ein ähnliches Kleidungsstück günstiger von der Stange hätte bekommen können, aber das habe ich bei meinen ersten Strickversuchen ausgeblendet. Leider habe ich, je länger ich dabei war, feststellen müssen, dass Stricken auch ziemlich ins Geld gehen kann und man, wenn man für einen selbstgestrickten Pulli 10 Knäuel kaufen muss, auf den gleichen Preis wie einen Pullover aus dem Laden kommt.

Allerdings wurde mir auch klar: Dieser Preisabgleich ist mir völlig egal. Ein gutes Garn und gute Nadeln sind ihren Preis wert, schließlich habe ich sie viele Stunden lang in den Händen, in denen ich mich daran erfreuen kann, vom Tragen des fertigen Stücks einmal abgesehen. So habe ich auch immer noch ein paar Nadeln aus dem Supermarkt, die ich mir ganz am Anfang zugelegt habe, aber ich benutze sie eigentlich so gut wie nie, weil sie einfach nicht so schön in der Hand liegen wie ihre hochwertigeren Geschwister. Was natürlich nicht heißt, dass man sich gerade als Anfänger jedes Gimmick kaufen muss. Siehe hierzu auch meinen Artikel über Strickzubehör!

 

9. Fehler bewältigen

Fehler schleichen sich gerade am Anfang wie von selbst ein und ein paar Fehler können einem selbstgestrickten Stück auch Charakter verleihen. Allerdings gibt es auch Fehler, die einfach nur nerven, vor allem, wenn sie die Regelmäßigkeit eines Strickstückes stören und sofort ins Auge fallen. Ganz am Anfang habe ich bei jedem Fehler – jeder fallen gelassenen oder irgendwie verdreht abgestrickten Masche – das gesamte Strickstück zerknirscht meiner Oma in die Hände gedrückt und sie hat dann alles mit ein paar routinierten Griffen korrigiert. Allerdings reiste sie nach einigen Wochen wieder ab und ab da musste ich mir bei jedem Fehler überlegen, was nun? Einfach drüber hinweg, aufribbeln, oder zu korrigieren versuchen?

Aufribbeln war mir irgendwann zu viel Arbeit, also lernte ich allmählich durch Experimentieren und mithilfe von Youtube-Videos, die Fehler zu korrigieren. Manchmal entscheide ich mich aber auch immer noch, einfach nichts zu machen und die Fehlerchen Fehlerchen sein zu lassen. Das mache ich vor allem, wenn sie das Gesamtbild nicht stören.

IMG_1238Ich habe sogar ein Paar Handwärmer gestrickt, die praktisch nur aus Fehlern bestehen… Die horizontalen „Rippen“ über dem Handrücken sollten eigentlich hübsche kleine Bommelchen bilden, aber irgendwie habe ich damals das Strickmuster nicht richtig gelesen und daraus wurden eher halbe Knoten. Trotzdem hat das Muster mir  gefallen und ich habe einfach so weitergestrickt… solange das Gesamtbild regelmäßig bleibt, kommt man beim Stricken auch mit ein paar unabsichtlichen Abwandlungen weg…

 

10. Denkblockaden

Was mich zum letzten Punkt bringt, der kreativen Freiheit! Auch wenn es bei den exakten Anleitungen nicht so aussieht, Stricken ist ein kreatives Medium und es gibt eigentlich keine absoluten Verbote.

Am Anfang war ich sehr verkrampft, weil ich immer fürchtete, etwas falsch zu machen. Zum Beispiel bei den Randmaschen – ich war mir sicher, man muss diese auf der Hinrunde abheben und auf der Rückrunde rechts abstricken, weil meine Oma mir diese Variante gezeigt hatte. Als ich die letzte Masche einmal auch in der Hinrunde gestrickt hatte und mir das erst ein paar Reihen später auffiel, ribbelte ich alles bis dahin wieder auf. Erst einige Zeit später fand ich heraus, dass es absolut legitim ist, die Randmasche in der Hin- und Rückrunde zu stricken und man das dann als Knötchenrand bezeichnet… ups…

Also, entspannt bleiben und sich am Stricken freuen! Übung macht den Meister, aber es geht nicht nur um vollendete Maschenproduktion… Stricken ist für mich Entspannung, kreative Betätigung, sozialer Austausch mit wunderbaren Menschen und glücklich verbrachte Zeit, von der man dank der dabei entstandenen Strickstücke lange etwas hat.

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Und zum Schluss…

Inspirationsquellen gibt es im Internet viel zu viele, um sie alle aufzulisten! Aber hier sind meine Top-Seiten für Strickanfänger, von denen ich viel gelernt habe:

  • Lanagrossa Stricktipps. Von der Sockenferse bis zur betonten Abnahme finden sich hier die Lösungen zu vielen Strick-Rätseln. Auch mit Videos.
  • Stricken und Häkeln lernen mit Elizza auf Nadelspiel.com. Die Videos (mit Katze Lucy, die immer wieder ihre Nase ins Bild steckt) sind lehrreich und 100% motivierend.
  • Stellvertretend für die vielen, vielen weiteren wunderschönen Strickblogs, die mir jeden Tag weiterhelfen, Alpis Strickbuch. Hier fand ich immer jede „dumme“ Frage beantwortet, ob zum Retten von fallen gelassenen Maschen oder Stricken von Randmaschen. Und natürlich ihr deutsch-englische Stricklexikon!

 

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